Flämische Kommunalbehörden wollen mehr Kontrolle über Ladeinfrastruktur

Bedarf an besserer Zukunftsplanung mit aktuellen Daten und guter interner Zusammenarbeit

Anlass und Hintergrund der Untersuchung
Am 25. Februar 2025 organisierte EVTools ein spezielles Webinar für flämische Städte und Gemeinden. Dieses Webinar konzentrierte sich auf die Verbesserung der Nutzung von Software und Daten für die Planung von Ladestationen, die Optimierung der Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Parteien und die Entscheidungsfindung auf der Grundlage aktueller und transparenter Daten über das Ladenetz. EVTools liefert seit 2022 sowohl Planungs- als auch Prozesssoftware zur Unterstützung der Konzession des Ministeriums für Mobilität und öffentliche Arbeiten (MOW). Um ein besseres Bild von den Herausforderungen und Bedürfnissen in flämischen Städten und Gemeinden zu erhalten, wurden den Teilnehmern während des Webinars 12 Fragen gestellt. Insgesamt nahmen 48 lokale Behörden an dieser Umfrage teil. Diese Erkenntnisse tragen nicht nur zu einem besseren Verständnis der aktuellen Situation bei, sondern geben den Gemeinden auch konkrete Anhaltspunkte für die weitere Entwicklung ihres Ladenetzes.

Zusammenfassung der Schlussfolgerungen
Die Untersuchung zeigt, dass flämische Gemeinden einen großen Bedarf an aktuellen Daten und unabhängigen Einblicken in die Ladeinfrastruktur haben, dass Nutzungsdaten jedoch kaum für den Ausbau des Ladenetzes genutzt werden. Entscheidungsfindung und Verwaltungsprozesse können durch bessere Zusammenarbeit und Automatisierung effizienter gestaltet werden. Die Gemeinden bevorzugen die strategische Platzierung von Ladestationen auf der Grundlage einer Potenzialkarte anstelle einer Platzierung nur auf Anfrage. KPIs zu Realisierungsprozessen und Daten sind für die Politikgestaltung unerlässlich, aber diese Erkenntnisse fehlen oft. Schließlich sorgt die Unsicherheit über die zukünftige Anzahl der Betreiber für Unklarheit auf dem Markt, was einen nachhaltigen Überblick über das eigene Ladenetz erschwert. In diesem Bericht gehen wir näher auf diese Ergebnisse und ihre Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Ladeinfrastruktur ein. Das Ziel dieser Untersuchung ist es, diese Erkenntnisse in praktische Lösungen und Empfehlungen umzusetzen, die zu einem effektiveren Ansatz beitragen können. Durch die Weitergabe der Ergebnisse an politische Entscheidungsträger wie das Ministerium für Verkehr und Wasserwirtschaft und lokale Behörden sowie an betroffene Parteien wie Ladepunktbetreiber und den Verband flämischer Städte und Gemeinden möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dass künftige Ausschreibungen besser auf die Bedürfnisse der lokalen Behörden abgestimmt sind.

Ergebnisse der Untersuchung

Flämische Städte und Gemeinden stehen bei der Einführung der Ladeinfrastruktur vor einer großen Herausforderung, verfügen jedoch nicht über die erforderlichen Erkenntnisse, um die notwendige Erweiterung effektiv zu planen. Die Ergebnisse zeigen, dass 41 % der Gemeinden keinen ausreichenden Überblick über die bis 2030 zu erwartende Erweiterung haben. Die Unterschiede im erwarteten Wachstum pro Gemeinde unterstreichen, dass es keinen einheitlichen Überblick gibt, was es den politischen Entscheidungsträgern erschwert, strategische Entscheidungen zu treffen.

Gleichzeitig sehen wir einen starken Bedarf an einer übersichtlichen Kartendarstellung der aktuellen Ladeinfrastruktur: 64 % der Gemeinden halten eine Kartendarstellung hierfür für sehr wichtig und 25 % für wichtig. Dies deutet darauf hin, dass die Gemeinden Standortdaten besser in ihre eigenen (GIS-)Systeme integrieren oder sie den Einwohnern als Informationsquelle zugänglich machen möchten. Darüber hinaus unterstreicht dieser Bedarf die Bedeutung eines datengesteuerten Ansatzes. Die Entscheidungsfindung und Planung können durch eine Plattform, die Echtzeit-Einblicke in den Status und den Fortschritt der Erweiterung der Ladeinfrastruktur bietet, erheblich verbessert werden.

Obwohl Gemeinden zunehmend strategische Pläne erstellen möchten, fehlen ihnen oft die richtigen Instrumente, um dies effektiv zu tun. Potenzialkarten mit vorab geplanten zukünftigen Ladestationen bilden eine wichtige Grundlage für datengestützte Planung, aber viele Kommunen haben Schwierigkeiten mit deren Umsetzung. Eine Mehrheit der Kommunen (56 %) möchte gerne eine Potenzialkarte erstellen, weiß aber nicht, wie dies zu bewerkstelligen ist. Dies zeigt, dass Unterstützung bei der Entwicklung dieser Karten benötigt wird. Darüber hinaus verfügen 26 % der Gemeinden bereits über eine Potenzialkarte für den internen Gebrauch, was auf eine wachsende Akzeptanz der Planung hindeutet, aber auch darauf schließen lässt, dass noch Zurückhaltung beim Teilen der Potenzialkarte besteht. Nur 18 % sehen keine Notwendigkeit für eine Potenzialkarte, möglicherweise weil sie einen begrenzten Ladebedarf im öffentlichen Raum haben.

Viele flämische Gemeinden nutzen nur wenige Daten für den Ausbau ihres Ladenetzes. Dies zeigt sich daran, dass nur ein kleiner Prozentsatz Potenzialkarten mit dynamischen Echtzeit-Präferenzstandorten verwendet. 60 % der Gemeinden nutzen diese Daten nie, 20 % nutzen sie selten und die restlichen 20 % manchmal.

Die meisten Gemeinden legen großen Wert auf interne Zusammenarbeit bei der Auswahl von Ladestandorten, verfügen jedoch nicht immer über die richtigen Instrumente, um dies effizient zu organisieren. Die Umfrage zeigt, dass 83 % der Gemeinden es für sehr wichtig oder wichtig halten, dass Kollegen über die zukünftigen Ladestandorte mitentscheiden. Nur eine kleine Minderheit (3 %) hält dies für unwichtig. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines strukturierten internen Validierungsprozesses, bei dem relevante Daten zu vorgeschlagenen Standorten für kommunale Entscheidungsträger allgemein zugänglich sind.

Im Gegensatz zur internen Zusammenarbeit scheint die externe Zusammenarbeit mit den Einwohnern eine weniger entscheidende Rolle bei der Beschleunigung der Einführung von Ladestationen zu spielen. Ein Großteil der Gemeinden erlebt nie oder nur gelegentlich Verzögerungen aufgrund von Einwänden der Einwohner. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Einwohner oft nicht im Voraus in die Entscheidungsfindung einbezogen werden oder dass sie keine Einwände erheben, wenn eine Ladestation in ihrer Nachbarschaft ohne ausdrückliche Kommunikation aufgestellt wird. Die Gemeinden geben an, dass eine breitere Beteiligung nicht unmittelbar zu einer schnelleren Einführung führt. Dies deutet darauf hin, dass eine transparente Kommunikation vor allem zur Akzeptanz beiträgt und nicht zur Beschleunigung des Prozesses.

Während die Mitbestimmung der Anwohner kaum zu Verzögerungen führt, scheinen administrative Verfahren ein größeres Hindernis für den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu sein. In 73 % der Gemeinden dauert eine Ergänzung der Verkehrsordnung mehr als 15 Minuten, während 9 % angeben, dass dies zwischen 5 und 15 Minuten dauert. Dies zeigt, dass die Automatisierung solcher Prozesse für Gemeinden von großem Wert sein kann. Bemerkenswert ist, dass 18 % angeben, dafür keine Zeit zu haben, was auf einen Mangel an Kapazitäten oder Priorität hindeuten könnte.

Die Kommunen wollen mehr Kontrolle über die Aufstellung von Ladestationen und setzen dabei auf eine strategische statt einer reaktiven Einführung. Eine große Mehrheit der Kommunen (68 %) gibt an, mehr als 50 % der Ladestationen strategisch aufstellen zu wollen. Unter strategischer Aufstellung versteht man, dass Ladestationen proaktiv auf der Grundlage von Nutzungsdaten („Station folgt Station”), kommunaler Politik und Prognosen realisiert werden, während die Aufstellung auf Anfrage erfolgt, wenn ein bestimmter Nutzer eine Ladestation beantragt („Station folgt Fahrzeug”).

Obwohl Kommunen zunehmend strategisch auf die Ladeinfrastruktur Einfluss nehmen wollen, mangelt es ihnen oft an den richtigen Daten und Transparenz. Für 48 % der Befragten ist Einblick in die Leistung der aktuellen Ladeinfrastruktur entscheidend, da dies ihnen hilft, Ladestationen effizienter zu verwalten und einfacher zu dokumentieren. Darüber hinaus halten es 31 % für wichtig, dass alle beteiligten Parteien Zugang zu denselben Informationen haben, wie z. B. Standortdaten und Prozessdaten. Ein kleinerer Teil (21 %) betont, dass es unerlässlich ist, dass die von den Kommunen ausgewählten Ladestandorte auch dem Konzessionsinhaber bekannt sind. Interessant ist, dass 80 % der Befragten mehr als eine Antwort angegeben haben, was darauf hindeutet, dass die Kommunen mehrere Aspekte der Zusammenarbeit für wichtig halten.

Obwohl lokale Behörden datengesteuert arbeiten möchten, fehlen ihnen oft die richtigen Einblicke in den Realisierungsprozess von Ladestationen. Der wichtigste Maßstab für 42 % der Gemeinden ist die Durchlaufzeit pro Prozessschritt. Darüber hinaus halten 20 % die Durchlaufzeit pro Akteur für einen relevanten Indikator, während 38 % die Anzahl der bearbeiteten Anträge von Einwohnern betrachten. Die Tatsache, dass 55 % der Befragten mehrere Indikatoren ankreuzen, zeigt, dass die Gemeinden Wert auf einen breiten Satz von Leistungskennzahlen legen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines unabhängigen und transparenten Berichtssystems zur Überwachung der Realisierung von Ladestationen.

Die Gemeinden suchen nicht nur nach Möglichkeiten, den Prozess der Ladestationsinstallation effizienter zu gestalten, sondern auch nach Möglichkeiten, die Dokumentation und Rechenschaftspflicht zu verbessern. So geben 39 % der Gemeinden an, dass Fotos der Straße als wertvolle Informationen bei der Fertigstellung einer Ladestation angesehen werden. Darüber hinaus halten es 32 % für wichtig, Einblick in die Gründe für die Stornierung eines Realisierungsprojekts zu erhalten, da dies zur Verbesserung künftiger Prozesse beiträgt. Schließlich möchten 29 % wissen, welcher Installateur eine Ladestation aufgestellt hat, was auf den Bedarf an einer besseren Registrierung und Rechenschaftslegung für historisch realisierte Standorte unabhängig vom Auftragnehmer hinweist. Dies unterstreicht die Bedeutung transparenter und unabhängig dokumentierter Informationen über Ladestationsrealisierungen. 

Obwohl die Kommunen strategischer planen möchten, fehlt ihnen oft der Überblick darüber, wie sich der Markt entwickeln wird und welche Betreiber aktiv bleiben werden, was direkte Auswirkungen auf die Art und Weise haben kann, wie sie ihre Ladeinfrastruktur verwalten. Es besteht große Unsicherheit hinsichtlich des künftigen Konzentrationsgrades auf dem Lademarkt, d. h. der Anzahl der Anbieter, die innerhalb eines bestimmten Gebiets, z. B. einer Gemeinde, im Bereich des öffentlichen Ladens tätig sein werden. Dies bestimmt nicht nur den Grad des Wettbewerbs, sondern auch die vertragliche und operative Verwaltbarkeit des kommunalen Ladenetzes. 48 % der Gemeinden geben an, dass sie keine klare Einschätzung der Anzahl der Betreiber im Jahr 2030 abgeben können. Von den Befragten, die dies dennoch versuchen, erwarten 31 % einen Markt mit drei Betreibern für öffentliches Laden, einem für halböffentliches Laden und einem für Schnellladen. Ein kleinerer Teil erwartet eine vielfältigere Verteilung mit vier bis fünf Betreibern. Eine größere Vielfalt an Betreibern kann dazu führen, dass jeder Betreiber sein eigenes Softwaretool verwendet, wodurch die Gemeinden keinen zentralen Überblick mehr haben. Dies erschwert die Verwaltung und den Vergleich von Daten zu Ladepunkten, Nutzung und Leistung innerhalb eines Portals. Die Untersuchung zeigt nicht direkt, inwieweit Gemeinden, die datengesteuert arbeiten wollen, dies als Risiko betrachten. Es ist jedoch klar, dass fragmentierte Systeme und unterschiedliche Betreiberportale die Erstellung einer aktuellen und integralen Übersicht komplexer machen.

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